Im Sommer haben es Enten besonders gut. Sie können gemütlich im warmen Teich planschen. Mit den Zeitungsenten verhält es sich mitunter fast genauso. Nun kann man dem DKV-Report “Wie Gesund lebt Deutschland” nicht unbedingt vorwerfen, er wäre eine Ente. Weitgehend unbehelligt von kritischen Nachfragen im warmen Teich planschend findet sich diese Studie aber schon. Einen kritischen Blick hätte sie aber schon verdient, denn sie stellt die steile These auf, in Mecklenburg-Vorpommern würden die Menschen am gesündesten leben.
Begründet wird dies unter anderem mit den besonders intensiven körperlichen Betägungen der Menschen im Lande. Ursache: Mecklenburg-Vorpommern ist laut Studie eines der Länder mit der meisten körperlichen Arbeit. Illustriert wird dies übrigens mit diesem romantischen Bild. Der Studie zufolge werde in Mecklenburg-Vorpommern besonders wenig Alkohol getrunken (so ganz glauben wollten die Autioren dies aber selbst nicht). Außerdem sei Mecklenburg-Vorpommern das Land mit den am wenigstens gestressten Menschen. Nun ist zwar der Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und psychischem Stress weitgehend belegt, aber offenbar hat sich kaum einer die Mühe gemacht, die Studie darauf abzuklopfen. Die Studie behauptet weiter, schlanke Menschen würden sich besonders gesund fühlen. Das aber hat wohl eher etwas mit dem auch politisch oftmals leider unterstützten Schlankheitswahn zu tun. Grundsätzlich kritisch sehe ich aber die einseitige Schwerpunktsetzung auf der körperlichen Aktivität. Ausreichend Bewegung ist zwar für eine gesunde Entwicklung gerade von Kindern sehr wichtig, aber es ist sicher nicht der wichtigste Indikator gesunder Lebensweise.
Peinlich ist, dass das Sozialministerium die positiven Ergebnisse der Studie sogleich als Beleg für die erstklassige Gesundheitspolitik im Hause Schwesig heranzog. Dabei widerspricht der Report fast allem, was man über die Gesundheit der Menschen im Lande weiß. Der Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern ist im Bundesvergleich besonders hoch. Das gilt auch für die Raucherquote im Land. Bei der alkoholbedingten Sterblichkeit liegt das Land sogar an der Spitze. In Mecklenburg-Vorpommern leben zudem die meisten Übergewichtigen. Die Lebenserwartung ist in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit gesehen sehr gering. Auch werden in Mecklenburg-Vorpommern besonders häufig Gesundheitsleistungen wie etwa Medikamentenverschreibungen in Anspruch genommen.
Das Gesundheitsministerium in Mecklenburg-Vorpommern behauptet nun, die Studie zeige, dass Gesundheit durch eigenen Lebenswandel beeinflusst werden könne. Das ist grundsätzlich richtig, aber die Studie ist dafür gerade kein Beleg. Im Gegenteil. Sie zeigt eher, wie stark soziale Verhältnisse die Gesundheit der Menschen beeinflussen.
Und gerade hier kann die Politik besonders viel tun. Statt im Einzelfall durchaus fragwürdige Kampagnen ins Leben zu rufen, muss endlich mehr für wirksame Prävention getan werden. Vor allem müssen die vorhandenen Mittel zielgerichteter für Gesundheitsförderung und Prävention bei sozial benachteiligten Menschen ausgegeben werden – denn Armut ist das Gesundheitsrisiko Nummer 1. Auch das Land kann hier deutlich mehr tun als der zuständigen Ministerin zweifelhafte Jubelmeldungen in den Mund zu legen.

